Warum meditieren?

Bis vor einem Jahr fand ich Meditieren komisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, was mir das bringen soll. In den Yoga-Stunden, bei denen es immer eine „Schlussentspannung“ gegeben hatte, habe ich an alles Mögliche gedacht, ohne auch nur eine Minute zu entspannen.

Dann nahm ich an einem MBSR Kurs teil. MBSR steht für „Mindful Based Stress Reduction“, und das ist ein standardisiertes, achtwöchiges Programm, in dem man lernt, wie man Stress reduzieren kann. Ein großer Bestandteil des Kurses ist das Thema Meditation.
Die Kursleiterin, Mutter von vier erwachsenen Kindern, sagte, sie habe bereits vor der ersten Schwangerschaft eine „Gelübde“ abgelegt, täglich zu meditieren. Sie sagte, anders hätte sie die Zeit mit den vier kleinen Kindern nicht überstanden.

Ein Gelübde. Hm. Also, was ist da dran, an dem Meditieren?

Seit dem Kurs weiß ich: Nahezu alles, was man darüber lesen kann, stimmt. Es fühlt sich ein bisschen an wie Psychotherapie. In der Stunde selbst versteht man noch gar nichts, die echte Wirkung entfaltet sich im Alltag:

Mehr Klarheit, mehr Präsenz und Gelassenheit, mehr im Jetzt.

Ich setze mich also seit einem Jahr einmal am Tag für 20-40 Minuten auf ein Kissen mit Blickrichtung zur Wand. Vor mir steht eine Uhr, die mit Licht signalisiert, wann die Zeit um ist. Keine App, kein Bimmbimm, keine Räucherstäbchen, keine Musik. Einfach nur das Kissen, die Uhr, ich, fertig.

Von außen sieht es so aus, als würde ich meine Zeit absitzen. Von innen ist es harte Arbeit. Der Job ist nämlich beim Meditieren, an nichts zu denken. An nichts. Nicht an das Nächste, nicht an das Gestrige, nicht an das Morgige. Es gibt maximal „Meditationsobjekte“, also Themen oder Sachen, „auf“ die ich meditiere (zum Beispiel der Atem).

Ja, ich hab Durchhänger und Tage, an denen ich es mühsam finde, morgens auf dem Kissen. Es ist anstrengend und zeitaufwändig und manchmal muss ich durch eine tagelange Talsohle durch. Das Ziel der ganzen Sache ist jedoch wirklich lohnend, sehr empfehlenswert.

Mein Rat ist: Ausprobieren. Nicht nachlassen. Zu Anfang einen Kurs besuchen, um zu lernen, und danach immer wieder mal auch in einer Gruppe meditieren.

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26. März 2020, Kategorie: