Trauernden begegnen

Mit der Trauer kennen wir uns normalerweise nicht so aus. Der Tod spielt kaum eine Rolle im Leben, schon gar nicht im beruflichen Alltag. Und doch ist er mitten unter uns. — Wie begegnet man einer trauernden Person?

Hier drei Gedanken dazu:

Trauer kommt in Wellen. Mal sind die riesengroß, mal klein und unscheinbar. Ein Mensch, der trauert, kann in dieser Phase lachen, Witze machen, Wein trinken – und im nächsten Augenblick in einem tiefschwarzen Loch festsitzen. Alles ist dabei, alles ist völlig normal.

Als Trauernde*r braucht man Nahrung, ganz wortwörtlich, und man ist währenddessen selten in der Lage, sich selbst zu nähren. In den akuten Phasen hilft ein Korb mit stärkendem Essen, den man der trauernden Person ungefragt vor die Tür stellt. Und dann: Nachrichten, die vom Leben erzählen und keiner Antwort bedürfen. (Eine Freundin schickte mir in meiner schlimmsten Trauer täglich ein oder zwei Textnachrichten über alltägliche Dinge, die sie erlebt hatte. Beste Hilfe, Rettungsanker. Für Kolleg*innen geht das auch.)

Da sein und mit aushalten. In Kontakt gehen. Nicht wegschauen, nicht verstummen. Dranbleiben an dem Menschen, der da gerade trauert. Ein Verstehen signalisieren mit Blicken und — wenn es möglich ist — einem Händedruck oder einer Umarmung. Wenn Du ehrlich beschreiben kannst, was in Dir vorgeht (z.B. „Ich bin so geschockt, ich weiß nicht, was ich sagen soll“), kann schon alleine das sehr hilfreich sein.

9

07. Mai 2021, Kategorie: