Den Geist zur Ruhe bringen

Manchmal lege ich mich abends ins Bett, will schlafen und merke: Geht nicht. In meinem Kopf ist so viel los, die Gedanken sausen mal hier-, mal dorthin, von Ruhe keine Spur. Oft heften sich meine Gedanken dann auch an einer Sache fest und ich denke immer weiter daran herum. Als ob das zu einer Lösung führen würde!

Über die Jahre habe ich festgestellt, dass dieses Rumgedenke wirklich überhaupt nichts bringt. Es ändert nichts daran, wie die Vergangenheit war, und es ändert schon gleich gar nichts daran, wie die Zukunft wird. Im schlimmsten Fall wird meine Aufregung dadurch nur noch größer. (Pro-Tipp: Auch freudige Gedanken lassen einen nicht zur Ruhe kommen.)

Was also hilft? Wie kann ich meinen Geist zur Ruhe bringen?

Der erste Schritt ist, das Rumgedenke überhaupt erstmal zu bemerken. Feststellen, wo sich die Gedanken in diesem Moment aufhalten. Und dann gibt es ganz unterschiedliche Methoden, damit umzugehen. Die meisten davon hören sich ziemlich banal an. Wenn man es dann aber damit probiert, stellt man schnell fest, dass es alles andere als banal ist. Sich mit den Gedanken in der Gegenwart, also im Hier und Jetzt aufzuhalten, gehört mit zu den schwersten Aufgaben, die ich kenne.

Mir persönlich helfen diese drei Strategien dafür am ehesten:

Vergegenwärtigen, wo ich bin
Egal, wo: Ich kann in Gedanken haarklein beschreiben, wo ich bin, was ich sehe, wie es riecht, was ich wahrnehme usw. Wichtig dabei ist, das alles nicht zu bewerten, nicht gut oder schlecht, einfach nur sich selbst erzählen, wo man da gerade ist.

Bodyscan
Dabei wandere ich in Gedanken durch meinen ganzen Körper, auch wieder komplett bewertungsfrei. Das kann eine Stunde dauern oder wenige Minuten. Man kann das für sich im Stillen machen oder sich anleiten lassen. Einen 8-Minuten-Bodyscan von mir eingesprochen findest Du hier.

Atem beobachten
Dein Atem ist immer da und er ist so sehr mit der Gegenwart verbunden wie kein anderer Lebensausdruck. Es ist leicht, ihn sich als Hilfsmittel zu wählen. Es ist super schwer, mit den Gedanken dran zu bleiben.
Es gibt Hilfsmittel. Zum Beispiel könntest Du jeweils fünf Atemzüge zählen und dann wieder von vorn beginnen. Einmal ein- und ausatmen ist dabei Eins. (Du wirst schnell feststellen, dass Du plötzlich bei Acht landest, es aber eigentlich nur bis Fünf gehen sollte. Sei nachsichtig mit Dir und fang dann einfach wieder von vorne an.) Eine andere Möglichkeit ist es, das „Ein“ und „Aus“ des Atems in Gedanken mitzusprechen bzw. zu denken.
Wer sich mit Meditation beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es viele solcher Strategien gibt. Es hilft, das einfach für sich auszuprobieren und dann auf eine bewährte Methode zurückzugreifen.

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08. Oktober 2020, Kategorie: